Panama verlangt von jedem, der sich einbürgern lässt, einen feierlichen Eid vor dem Gouverneur, mit dem er seiner alten Staatsbürgerschaft entsagt. Und trotzdem leben in Panama tausende eingebürgerte Doppelstaatler, völlig legal aus Sicht ihrer Heimatländer. Wie das zusammenpasst, ist die wichtigste Frage dieses Artikels, und die Antwort entscheidet, ob der panamaische Pass für dich ein Gewinn oder ein Risiko ist. Vorweg die Einordnung: Der panamaische Pass steht 2026 auf Rang 26 des Henley Passport Index, dem besten Stand seit zwei Jahrzehnten, mit visumfreiem Zugang zu rund 148 Zielen, darunter der gesamte Schengen-Raum, Großbritannien, Japan und Brasilien.
Die Voraussetzungen: fünf Jahre, drei Abkürzungen
Der Standardweg nach Art. 10 der Verfassung und Dekret 3/2008: fünf Jahre ununterbrochener Daueraufenthalt mit der Cédula E, gerechnet ab Erteilung der permanenten Residencia, nicht ab Einreise. Wer mit einer Panamaerin oder einem Panamaer verheiratet ist oder ein in Panama geborenes Kind mit panamaischem Elternteil hat, kann nach drei Jahren antreten. Und für Spanier und Lateinamerikaner gilt die Reziprozitäts-Route. Dazu kommen in jedem Fall: nachgewiesene wirtschaftliche Solvenz, sauberes Führungszeugnis, Anwaltspflicht, und, das unterschätzen fast alle: Der Daueraufenthalt allein genügt nicht, du musst echte Bindung zeigen. Wer die permanente Residencia nur als schlafenden Plan B hält und alle zwei Jahre einfliegt, erfüllt zwar die Regeln des Aufenthaltsrechts, aber nicht die Erwartungen des Einbürgerungsverfahrens.
Die Prüfung: Hymne auswendig, hundert Fragen, ein Richter
Panama verschenkt seinen Pass nicht, es prüft ihn ab. Nach der Einreichung folgt ein Interview auf Spanisch bei der Migrationsbehörde, danach das Examen beim Tribunal Electoral: ein schriftlicher Teil mit 100 Multiple-Choice-Fragen zu Geschichte, Geografie und Staatsorganisation, dazu eine mündliche Prüfung vor einem Richter. Und die Falle der jüngsten Prüfungsrunden: Kandidaten mussten die Nationalhymne und den Fahneneid auswendig vortragen, wer das versäumt hatte, fiel durch. Das Niveau ist machbar, wer fünf Jahre im Land gelebt hat und sich vorbereitet, besteht in der Regel beim ersten Anlauf.
Der lange Marsch durch die Instanzen
Jetzt der Teil, der Panama von seinen Nachbarn unterscheidet. Nach bestandener Prüfung wandert die Akte durch Ministerien, Migrationsbehörde, Wahlgericht und Gouverneursamt, und am Ende entscheidet der Präsident der Republik persönlich mit seiner Unterschrift unter die Carta de Naturaleza. Jede dieser Stellen kann nachfordern, verzögern oder ablehnen, und einen Rechtsanspruch auf die Unterschrift gibt es nicht. Realistische Zeitachsen: 12 bis 24 Monate in gut laufenden Fällen, aber Kanzleien mit langer Erfahrung nennen ehrlich bis zu fünf Jahre bis zur Carta, je nach politischer Großwetterlage. Die Gesamtkosten liegen je nach Kanzlei bei rund 4.000 bis 7.500 Dollar.
Der Eid, und was er für deinen alten Pass wirklich bedeutet
De jure verlangt Panama von Eingebürgerten die Entsagung: Du schwörst vor dem Gouverneur, die zivilen und politischen Bindungen an dein Herkunftsland aufzugeben. De facto gilt, was erfahrene panamaische Kanzleien offen aussprechen: Die Entsagung vor Panama bedeutet nicht, dass du deine Staatsangehörigkeit tatsächlich verlierst, denn ob ein Pass erlischt, entscheidet allein das Recht des Herkunftslandes, und das verlangt dafür fast immer ein eigenes, förmliches Verfahren bei den eigenen Behörden. Panama selbst setzt die Entsagung nicht durch.
Deutschland: Seit der Reform 2024 ist Mehrstaatigkeit generell zugelassen. Der Eid in Panama allein löst den Verlust nicht aus. Der deutsche Pass bleibt. Die Schweiz: kennt seit 1992 keinerlei Einschränkung der Mehrstaatigkeit, der Schweizer Pass bleibt unberührt. Österreich: der Ausreißer, wie immer. Nach österreichischem Recht führt schon der freiwillige Erwerb einer fremden Staatsbürgerschaft automatisch zum Verlust der österreichischen, es sei denn, du hast vorher eine Beibehaltungsbewilligung erwirkt. Österreicher klären das, bevor sie in Panama auch nur den Antrag stellen.
Die ehrliche Abwägung: Bonus, nicht Baustein
Panamas permanente Residencia ist so stark, so pflegeleicht und so dauerhaft, dass die Staatsbürgerschaft für die meisten meiner Mandanten der Bonus obendrauf ist, nicht das Planungsziel: Sie verlangt echte Präsenz und Integration, sie hängt am Ende an einer Präsidenten-Unterschrift ohne Rechtsanspruch, und sie dauert im Zweifel Jahre länger als versprochen. Wer primär und planbar einen zweiten Pass will, fährt mit Argentinien (zwei Jahre) oder Paraguay (drei Jahre permanente Residenz) schneller. Wer dagegen ohnehin in Panama lebt, dort Familie, Firma oder Eigentum hat und die fünf Jahre echt verbringt, für den ist die Carta de Naturaleza die logische Krönung, mit einem Pass, der sich gerade auf seinem Zwei-Jahrzehnte-Hoch befindet.
Carpe Diem. Das Leben ist kurz und vergänglich. Ein Schuss. Mach was draus.

