Für den Investor und den Trader ist die Welt eine einzige große Frage: Was bleibt nach Steuern übrig? Wer ein Leben lang Positionen aufgebaut und gehalten hat, weiß, dass die Steuer auf den Gewinn der Unterschied zwischen einem guten und einem lebensverändernden Ergebnis sein kann. Lateinamerika lockt mit der Aussicht auf die Null. Doch diese Null ist wählerisch, und sie wohnt nur in bestimmten Ländern.
Wo die Null wohnt: die Territorialländer
Der zuverlässige Ort für steuerfreie Veräußerungsgewinne ist das Territorialprinzip. Wo nur lokales Einkommen besteuert wird, bleiben Gewinne aus einem ausländischen Depot außen vor, weil sie foreign-source sind.
In Panama bleiben ausländische Kapitalgewinne grundsätzlich unbesteuert und sind nicht einmal lokal meldepflichtig. In Paraguay greift dieselbe territoriale Logik: Was außerhalb des Landes entsteht, bleibt steuerfrei. Auch Dividenden aus ausländischen Aktien fallen unter diese Befreiung. Für den Investor, der über ausländische Broker hält, sind Panama und Paraguay die saubere Konstellation: null auf Gewinne, null auf Auslandsdividenden.
Uruguays Sonderweg
Uruguay verdient eine eigene Erwähnung. Es ist kein reines Territorialland, gewährt Neuankömmlingen aber eine mehrjährige Steuerpause auf ausländische Kapitaleinkünfte, traditionell elf Jahre null, danach sechs, dann zwölf Prozent.
Wo der Staat zugreift
In den Welteinkommensländern der Region, in Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Peru und Mexiko, werden Kapitalgewinne grundsätzlich erfasst, sobald man dort steuerlich ansässig ist. Auch Chile besteuert nach Ablauf seiner Anfangsbefreiung. Diese Länder können für Pass, Lebensgefühl oder Sachwerte hochinteressant sein, aber als Heimat für steuerfreie Trading-Gewinne taugen sie nicht.
Der Haken, den aktive Trader kennen müssen
Die territoriale Befreiung lebt davon, dass die Gewinne wirklich ausländischen Ursprungs sind. Wer hochfrequent und gewerbsmäßig vom Wohnsitzland aus handelt, kann je nach Auslegung in die Nähe einer lokalen, gewerblichen Tätigkeit geraten. Die Null gehört dem, der das Ausland Ausland sein lässt.
Die Struktur entscheidet
Die Null ist kein Geschenk des Wohnsitzes allein, sondern das Ergebnis einer sauberen Struktur. Wohnsitz, Bank und Broker müssen zusammenpassen, der Wegzug aus Deutschland muss sauber sein, das Einkommen wirklich foreign-source.
Das Fazit
Für den Trader und Investor führt der Weg zur Null über die Territorialländer, allen voran Panama und Paraguay, ergänzt um Uruguays befristete Pause für den, der Stabilität sucht. Die Welteinkommensländer scheiden für diesen Zweck aus, so reizvoll sie sonst sein mögen.
Carpe Diem
